Die Journalistin und St. Georgerin Marina Friedt kennt Uli Pforr aus der gemeinsamen Arbeit am kultigen Stadtteil-Comic-Büchlein „St. Georg illustrated" und zeichnet ein Portrait des Newcomers. Knallige Farben und expressive Technik, sind heute das Markenzeichen von dem Künstler Uli Pforr. In 2009 gewann der 32-Jährige Illustrator den 1. Kunstpreis Hansaplatz. Inzwischen ist er umtriebig auf Kunstausstellungen in ganz Deutschland unterwegs. 
Aber es gab auch andere, graue Zeiten und Zeichnungen. Mit Dinosauriern und Fantasiefiguren fing es an. Schon als Kind im Dorf Gottrupel - nahe der dänischen Grenze – malte Uli. Bald stand sein Berufswunsch fest: Comiczeichner wollte er werden. Die Eltern unterstützen den Sohn. Für seinen Traum zieht er nach Hamburg.Er studiert an der Hamburger Technische Kunstschule (HTK). Gerührt erinnert er sich zurück an den Moment - Applaus, Applaus, Applaus... - als er in den heiligen Hallen des ehrwürdigen Museums für Kunst und Gewerbe für seine schwungvolle Grafik-Design-Abschlussarbeit eine Auszeichnung erhielt. In dem Psycho-Comic mit dem Titel „Angst" verarbeitete der Zeichner einen dreimonatigen Klinikaufenthalt. Heute stehen die sehr tristen, dunkel gehaltenen Seiten und traurigen Gestalten seines „Psycho-Buches" im krassen Kontrast zu den bunten, schrillen Bildern, die er von Stadtteil-Promis auf St. Georger Plätzen malte.
Aber noch mal zum Anfang: Richtig los ging's für den Newcomer mit dem ersten Preis beim 1. Kunstpreis Hansaplatz im Jahr 2009. Einige Betrachter fühlten sich durch die expressive Darstellung seines rosafarbenen Meisterwerks zum Auspucken vor dem Vor-Ort-Büro verleitet, erinnert sich Mitarbeiter Michael Schulz. Alle anderen waren von Ulis expressiven lebendigen Stil begeistert. Auch Schulz. Inzwischen hat der gebürtige Leipziger Lehrer den chaotischen Uli unter seine Fittiche genommen und bringt Stringenz in Ulis Arbeit und sorgt dafür, dass aus kreativen Visionen konkrete Projekte werden, die auch den Magen des Künstlers füllen. Denn allein von Luft und Liebe bezahlt sich auch das kleine Atelier in Hammerbrook nicht, dass sich der Künstler inzwischen leistet.
Das comicartige Stadteil-Kunstbuch ist inzwischen ein bisschen Kult im Kiez geworden. Der gilt als eigenwillig, ein bisschen „schräg" aber auch herzlich und ist heute mehr denn je angesagt - so ist auch das Buch und so ist heute auch der Uli. Der Kiez hat auf ihn abgefärbt und Farbe in sein heutiges Leben gebracht. Einengen lässt er sich nicht, sprengt lieber den Rahmen. Ein Nachfolge-Szenewerk mit dem Titel „St.Gayorg illustrated" ist gerade in Produktion. Allein das verspricht, dass es wieder ganz schön bunt wird. MF
Auf den Geschmack gekommen? „St Georg illustrated“ (15 Euro) im Vor-Ort-Büro am Hansaplatz / Zimmerpforte 8 oder bei Männerschwarm in der Langen Reihe 102.
Dargestellte Illustration aus St.Georg illustrated, Uli Pforr







